Mehr als die Hälfte der Jugendcamp-Teilnehmer schaffte es bis zum Gipfelkreuz des Auernigs. Foto: Privat

WAZ. Erzählstoff fehlt nach diesem Zusammentreffen junger Leute aus sieben Partnerstädten nicht:

Da riss ein Gewittersturm die Speisesaal-Zelte in den pechschwarzen Himmel, da kämpfte sich mehr als die Hälfte der 63 beteiligten Jugendlichen empor bis zum Gipfelkreuz des Auernigs, Großstadtkinder liefen verschreckt vor frei grasenden Pferden und Kühen davon, Mädchen spielten beim Fußball mit und Jungen griffen zum Kochlöffel.

Witten, Wolfen, Barking and Dagenham, Beauvais, Lev Hasharon, Kursk und Tczew waren eingeladen und hatten Jugendliche geschickt. Vom 17. bis 25. August erkundeten sie gemeinsam die Natur in den Alpen, lernten etwas über ihren Schutz, machten viel Sport und lebten das Camp-Motto „Respekt und Toleranz“.

Doch ganz von vorn: Drei Wittener, Klaus Lohmann, Horst Görlitz und Erich Bremm, hatten runde Geburtstage gefeiert und ihre Freunde gebeten, ihnen weder Blumen noch Weinflaschen zu schenken, sondern Geld zu geben für ein Jugendcamp – so entstand der finanzielle Grundstock.

Viele Gruppen und Förderer in Witten und den Partnerstädten setzten sich für die Veranstaltung ein. Besonders Wolfen und Gastgeber Mallnitz machten das Camp auch zu ihrer Sache. Über 30 Helfer und Betreuer aus allen Partnerstädten stellten sich zur Verfügung, um die Jugendlichen zu begleiten und für Programm und Verpflegung zu sorgen.

Die erste gemeinsame Aktivität, eine Schnitzeljagd durch das Seebachtal, wirbelte die Nationalitäten gründlich durcheinander. Wer ans Ziel kommen wollte, musste sich mit Russen und Franzosen, Israelis und Polen auf Englisch verständigen. Auf dem Rückweg lenkten Nationalpark-Ranger den Blick auf besondere Naturdetails.

Die Programm-Höhepunkte kamen sehr unterschiedlich daher: Da waren die alpinen Highlights wie der Ausflug auf den Großglockner und am Ende die Seilbahnfahrt auf den Ankogel, es gab Folkloristisches mit dem von den Jugendlichen bejubelten Auftritt einer Schuhplattler-Gruppe,Kulinarisches mit dem „Essen der Nationen“. Und beim Fußballspielen mussten sich die Mannschaften nicht nur mit ihren Gegnern auseinandersetzen, sondern auch mit dem Seebach, der stets bereit war, verirrte Bälle mit sich zu reißen.

Allein das Wetter brachte das sorgsam vorbereitete Programm zwischenzeitlich einmal durcheinander. Bis zum Nachmittag lief noch alles wie am Schnürchen: Besuch der Ausstellung im Nationalpark-Zentrum und Schwimmen im Hallenbad. Doch während des Camp-Fußball-Turniers kam plötzlich ein Sturm auf, wie ihn die meisten Teilnehmer noch nie erlebt hatten. Regen, Blitz und Donner folgten.

Die drei als Speise-Saal aufgebauten Zelte waren an Baumstümpfen vertäut, ein Dutzend Jugendliche klammerte sich an die Zeltstangen, doch es half nicht. Alles flog durcheinander, ein Zelt landete 100 Meter weiter auf der Wiese, eines auf einem nebenan geparkten Wohnmobil.

Die Camp-Organisatoren feierten die Katastrophe dennoch als Glücksfall: Niemand kam zu Schaden. Und die Jugendlichen trugen so organisiert Tische und Bänke in die Hütten und arrangierten dort einen Not-Speisesaal, als hätten sie das tagelang geprobt.

WAZ-Bericht